Außergewöhnliche Belastungen

Außergewöhnliche Belastungen – Allgemeine Informationen

Außergewöhnliche Belastungen gehören zu den Kosten Ihrer privaten Lebensführung, die im Normalfall nicht bei der Steuererklärung berücksichtigt werden können. Im Gegensatz zu alltäglichen Kosten wie z.B. Miete oder Versicherungen entstehen außergewöhnliche Belastungen jedoch durch besondere Umstände, z.B. wenn Sie jemanden pflegen, Unterhalt zahlen müssen oder selbst krank sind. Solche Kosten können Sie ausnahmsweise absetzen, wenn weitere Voraussetzungen erfüllt werden. Dahinter steht der Gerechtigkeitsgrundsatz, dass die Menschen in Deutschland nach ihrer Leistungsfähigkeit besteuert werden sollen.

Außergewöhnliche Belastungen

Außergewöhnliche Belastungen werden im § 33 Einkommensteuergesetz (EStG) definiert.


Was sind außergewöhnliche Belastungen?

Wenn Ihnen als Steuerpflichtiger zwangsläufig größere Aufwendungen als den meisten anderen Steuerzahlern mit gleichem Einkommen und Vermögen sowie gleichem Familienstand entstehen, spricht man von außergewöhnlichen Belastungen.

Zwangsläufigkeit bedeutet, dass Sie sich diesen Aufwendungen aus rechtlichen, tatsächlichen oder sittlichen Gründen nicht entziehen können. Außerdem müssen die Ausgaben den Umständen nach notwendig sein und dürfen einen angemessenen Betrag nicht übersteigen.


Arten von außergewöhnlichen Belastungen

Außergewöhnliche Belastungen unterteilen sich in zwei Rubriken:

  • außergewöhnliche Belastungen besonderer Art. Das sind Fälle, die ausdrücklich im Einkommensteuergesetz definiert sind (§ 33a, 33b EStG).
    Hierunter fallen Unterhaltsaufwendungen, der Sonderausbildungspauschbetrag sowie Pauschbeträge für Behinderte, Hinterbliebene und Pflegepersonen.
  • außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art, die nicht im Gesetz genannt sind und einzeln nachgewiesen werden müssen.
    Dies sind z.B. Krankheitskosten, Beerdigungskosten, Scheidungskosten oder Privatfahrten von Behinderten.

In welcher Höhe kann ich außergewöhnliche Belastungen geltend machen?

Wenn Sie in einem Jahr Ausgaben geleistet haben, die die Voraussetzungen der außergewöhnlichen Belastungen erfüllen, ermäßigt sich Ihre Einkommensteuer jedoch nicht direkt durch diese Aufwendungen. Zunächst prüft der Fiskus welche Belastung für Sie selbst „zumutbar“ ist. Diese Belastungsgrenze wird im Gesetz festgelegt (§ 33 Abs. 3 EStG) und ist abhängig von Ihrem Einkommen und der Anzahl Ihrer Kinder. Einem alleinstehenden Steuerpflichtigen wird also mehr „zugemutet“ als einem Familienvater. Die zumutbare Belastung ist ein Prozentsatz von dem Gesamtbetrag Ihrer Einkünfte, er beträgt je nachdem 1-7%. Die zumutbare Belastung wird von Ihrem Finanzamt berechnet.

Übersteigen Sie diesen Prozentsatz mit Ihren außergewöhnlichen Belastungen, können Sie die Kosten in unbegrenzter Höhe geltend machen. Bleiben Ihre außergewöhnlichen Belastungen aber unter dieser Grenze, dann müssen Sie nicht weniger Steuern zahlen.

Die zumutbare Belastung ist also immer der Teil, den Sie selbst zu tragen haben. Wenn Sie mit Ihren Ausgaben unter der zumutbaren Eigenbelastung bleiben, lohnt es sich nicht, die Kosten in der Steuererklärung anzugeben.

Anhand dieser Tabelle können Sie ungefähr Ihre zumutbare Eigenbelastung berechnen (§ 33 Abs. 3 EStG):

Gesamtbetrag der Einkünftebis 15.340,00 €über 15.340 € bis 51.130 €über 51.130 €
1.    bei Steuerzahlern ohne Kinder
            a) Grundtarif5 %6 %7 %
            b) Splittingtarif4 %5 %6 %
2.    bei Steuerzahlern mit
            a) einem Kind oder zwei Kindern2 %3 %4 %
            b) drei oder mehr Kindern1 %1 %2 %

Beispiel: Ein Ehepaar mit zwei Kindern hat der Tabelle zufolgend eine Belastungsgrenze von 3%. Die Einkünfte des Ehepaares betragen in 2016 insgesamt 50.000€. Die zumutbare Belastung beträgt also (3% von 50.000€) 1.500€. Hat das Ehepaar in 2016 nun außergewöhnliche Belastungen (z.B. Krankheitskosten) in Höhe von 2.500€, werden nur 1.000€ steuerlich berücksichtigt. Die anderen 1.500€ muss das Ehepaar alleine tragen.
Zum Vergleich: Bei einem alleinstehenden Steuerpflichtigen ohne Kinder, der ebenfalls Einkünfte von insgesamt 50.000€ erzielt, beträgt die zumutbare Belastung 6%, also 3.000€.

 Wichtig

Die zumutbare Belastung wird nur bei den allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen abgezogen. Ausgaben, die bei den besonderen außergewöhnlichen Belastungen angesetzt werden, bleiben ungekürzt.


Was Sie machen können, um Ihre zumutbare Belastung zu überschreiten

Erst am Ende des Jahres wissen Sie mit Sicherheit, ob Sie Ihre zumutbare Belastungsgrenze überschreiten. Während des Jahres sollten Sie deshalb alle nötigen Belege sammeln und aufbewahren. Um Ihre Belastungsgrenze zu überschreiten ist es wichtig möglichst hohe Ausgaben in einem Jahr zu haben. Es bringt Ihnen nichts, wenn Sie jedes Jahr mittelhohe Aufwendungen haben, die aber nie die zumutbare Belastung übersteigen. Dann bleiben Sie auf all‘ Ihren Ausgaben sitzen und können keine Steuern sparen. Versuchen Sie also möglichst viele verschiedene Ausgaben in ein Jahr zu bringen, lassen Sie sich z.B. in einem Jahr Ihre Zähne erneuen sowie eine neue Brille anfertigen, anstatt dies in 2 Jahren zu machen.

Bei bestimmten Aufwendungen wie z.B. Zahnersatz haben Sie sogar einen gewissen Gestaltungsspielraum. Wenn Sie zum Beispiel wissen, dass die Kosten für den Zahnersatz von Ihrer Versicherung nicht vollständig übernommen werden, sollten Sie versuchen die Kosten der Behandlung nicht über zwei oder mehrere Jahre zu strecken. Bitten Sie lieber Ihren Zahnarzt um eine vorzeitige Rechnung oder um eine Teilrechnung. So können Sie möglicherweise alle Ausgaben, die über der zumutbaren Belastung liegen, noch in der Steuererklärung für das laufende Jahr geltend machen und so die zumutbare Belastungsgrenze überwinden.


Wann kann ich eine außergewöhnliche Belastung geltend machen?

Sie können Ihre Ausgaben in dem Kalenderjahr abziehen, in dem Sie sie tatsächlich geleistet haben (Abflussprinzip). Eine Verteilung höherer Kosten im Wege der Billigkeit auf mehrere Veranlagungszeiträume ist nach Auffassung der Verwaltung nicht möglich.

Ersatzleistungen von dritter Seite (z. B. durch Ihre Krankenversicherung) sind unabhängig vom Erstattungszeitpunkt anzurechnen, wenn Sie mit der Erstattung bereits im Jahr der Zahlung der Aufwendungen rechnen konnten. Werden mögliche Ersatzansprüche gegen Dritte nicht geltend gemacht (z.B. Belege werden bei der Krankenversicherung nicht eingereicht, um eine Beitragsrückerstattung zu erhalten oder höhere Beiträge zu vermeiden), ist keine steuerliche Berücksichtigung möglich.

Unter die außergewöhnlichen Belastungen fallen also nur Aufwendungen, die Sie auch tatsächlich getragen haben. Werden Sie von Ihrer Krankenversicherung oder einer anderen dritten Stelle übernommen, liegen keine außergewöhnlichen Belastungen vor.


Wo gebe ich außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung an?

  Wichtig 

Außergewöhnliche Belastungen werden nur auf Antrag vom Gesamtbetrag Ihrer Einkünfte abgezogen. Mit Antrag ist hier gemeint, dass Sie Ihre außergewöhnlichen Belastungen in Ihrer Steuererklärung angeben. Eintragen müssen Sie diese im Mantelbogen auf Seite 3 ganz oben.


Nachweise für Ihre Ausgaben

Die notwendigen Aufwendungen zählen zu Ihren privaten Ausgaben. Eine Abgrenzung zu finden, welche Aufwendungen steuerlich abziehbar sind und welche nicht, ist daher besonders schwer. Daher müssen Sie alle betroffenen Belege und Nachweise innerhalb eines Jahres sammeln, damit das Finanzamt die Abzugsvoraussetzungen prüfen kann.

Oft müssen Sie sich sogar schon um einen Nachweis kümmern, bevor Sie überhaupt eine Ausgabe getätigt haben. Zum Beispiel brauchen Sie vor dem Kauf ein amtsärztliches Attest für ein medizinisches Hilfsmittel, das auch von Gesunden genutzt werden kann.