Ausbildung

Sonderausbildungsfreibetrag nach § 33a Abs. 2 EStG

Neben dem einheitlichen Freibetrag für Betreuung und Erziehung oder Ausbildungsbedarf (§ 32 Abs. 6 EStG) kann unter den Voraussetzungen des § 33a Abs. 2 EStG ein Sonderausbildungsfreibetrag gewährt werden.

Außergewöhnliche Belastungen Ausbildungsfreibetrag

Sich in Ausbildung befindende Kinder werden normalerweise durch den allgemeinen Freibetrag für Betreuung, Erziehung und Ausbildung berücksichtigt. Bei volljährigen Kinder in Berufsausbildung, die auswärtig untergebracht sind, wird jedoch ein Sonderbedarf anerkannt. Der Ausbildungsfreibetrag für diese Kinder beträgt 924€ pro Jahr (für jedes Kind einzelner Freibetrag). Es müssen keine tatsächlichen Ausbildungskosten nachgewiesen werden.

Minderjährige Kinder, die auswärtig untergebracht sind und volljährige Kinder, die Zuhause wohnen, werden nicht durch den Ausbildungsfreibetrag erfasst. Diese Regelung ist laut BFH nicht verfassungswidrig (gilt auch für hochbegabte Kinder).

Einkünfte und Bezüge des Kindes werden seit 2012 aufgrund des Steuervereinfachungsgesetzes nicht mehr berücksichtigt. Die 924€ können also immer voll angesetzt werden, darüber hinausgehende Kosten allerdings nicht geltend gemacht werden.


Voraussetzungen zum Abzug des Ausbildungsfreibetrages

  • das Kind muss volljährig,
  • auswärtig untergebracht und
  • sich in Berufsausbildung befinden
  • für das Kind muss ein Kinderfreibetrag oder Kindergeld gewährt werden
  • Antrag des Steuerpflichtigen (innerhalb seiner Steuererklärung) erforderlich

Liegen die Voraussetzungen für die steuerliche Anerkennung als Kind nicht vor, können die Aufwendungen für die Ausbildung des Kindes als allgemeine Unterhaltsleistungen nach § 33a Abs. 1 EStG geltend gemacht werden.

Neben dem Ausbildungsfreibetrag kommt zusätzlich der Sonderausgabenabzug für ein anfallendes Schulgeld nach § 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG in Erwägung. Kinderbetreuungskosten können für Kinder bis 14 Jahren abgezogen werden (§ 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG).

Der Ausbildungsfreibetrag ist auch davon unabhängig, ob das Kind verheiratet ist und mit seinem Ehepartner zusammenlebt. Allerdings entfällt in der Regel ab der Eheschließung für die Eltern der Anspruch auf Kindergeld oder den Kinderfreibetrag, da der Ehepartner für den Unterhalt aufkommen muss. Einen Ausbildungsfreibetrag können Sie dann nur noch ansetzen, wenn der Ehegatte über geringe Mittel verfügt (z.B. Studentenehe).


Anteiliger Ausbildungsfreibetrag

Der Ausbildungsfreibetrag wird nicht ganzjährig gewährt, sondern monatlich. Für jeden vollen Kalendermonat, in dem die Voraussetzungen für den Freibetrag nicht erfüllt sind, vermindert sich dieser um je 1/12. Eine Kürzung für einen Kalendermonat ist dabei nur zulässig, wenn die Voraussetzungen an keinem Tag dieses Monats vorgelegen haben.

Eine Kürzung ergibt sich insbesondere bei:

  • Beginn/Ende der Ausbildung im Laufe des Kalenderjahres
  • Vollendung des 18. Lebensjahres
  • Beginn der auswärtigen Unterbringung
  • Auslaufen des Anspruchs auf Kinderfreibetrag/Kindergeld/Betreuungsfreibetrag

Eine vorübergehende Unterbrechung der Ausbildung (z.B. Übergangszeit zwischen zwei Ausbildungsabschnitten, vorlesungsfreie Zeit) hat jedoch keine Auswirkungen auf den Freibetrag. Diese Zeit darf 4 Monate nicht überschreiten.

Zieht ein Kind während des Kalenderjahres vom Inland ins Ausland (oder umgekehrt), wird nur der Teil des Ausbildungsfreibetrages nach der Ländergruppeneinteilung gekürzt, der auf die Zeit im Ausland entfällt.

Eigene Einkünfte und Bezüge des Kindes, die auf Kalendermonate entfallen, für die kein Ausbildungsfreibetrag zu gewähren ist, werden nicht auf den Freibetrag angerechnet.


Auslandskinder

Grundsätzlich erhalten Sie den Ausbildungsfreibetrag auch, wenn Ihr Kind im Ausland lebt. Er kann aber unter Umständen an die dortigen Lebenshaltungskosten angepasst werden. Dies ist abhängig von der Ländergruppeneinteilung.

Ländergruppe I924€
Ländergruppe II693€
Ländergruppe III462€
Ländergruppe IV231€


Beantragung und Aufteilung des Ausbildungsfreibetrages

Der Ausbildungsfreibetrag ist antragsabhängig. Der BFH hat die formellen Anforderungen zum Vorteil des Steuerpflichtigen ziemlich gelockert. Hat der Steuerpflichtige im Formular für die Einkommensteuererklärung in der „Anlage Kinder“ die Geburtsdaten, das erhaltene Kindergeld, die Zeiten der Berufsausbildung und die Bruttoarbeitslöhne der Kinder angegeben, hat er damit konkludent Ausbildungsfreibeträge für die Kinder beantragt, auch wenn er die Rubrik „Ausbildungsfreibetrag“ nicht ausgefüllt hat. Übergeht das Finanzamt derartige Anträge, ohne darauf im Einkommensteuerbescheid hinzuweisen, kann wegen der versäumten Einspruchsfrist Wiedereinsetzung in den vorigen Stand in Betracht kommen.

Wenn Sie als Ehepaar nicht zusammen veranlagt werden, steht Ihnen und Ihrem Partner grundsätzlich jeweils der halbe Ausbildungsfreibetrag zu. Auf Antrag (Anlage Kind) kann der Freibetrag anders verteilt werden.


Wann ist mein Kind auswärtig untergebracht?

Eine auswärtige Unterbringung ist zu bejahen, wenn das Kind während der Berufsausbildung räumlich und hauswirtschaftlich vom Haushalt der Eltern getrennt lebt, wie z.B. bei einer Unterbringung in einem Internat, einer Ganztagspflegestelle oder der „Studentenbude“ während des Studiums.

Besucht Sie Ihr Kind während der Ferien, verlieren Sie nicht den Anspruch auf den Ausbildungsfreibetrag.

Ist die auswärtige Unterbringung aufgrund einer Krankheit zur Linderung oder Heilung nachweislich notwendig (z.B. wegen Asthma) und können Sie die Unterbringungskosten als allgemeine außergewöhnliche Belastungen geltend machen, besteht kein zusätzlicher Anspruch auf den Ausbildungsfreibetrag. Dadurch soll eine doppelte Steuerermäßigung vermieden werden.


Berufsausbildung des Kindes

Hierzu zählt:

  • Besuch von Allgemeinbildenden Schulen (z.B. Gymnasium)
  • praktische Berufsausbildung
  • Besuch von Fach(hoch)schulen und Universitäten

Ein freiwilliges soziales Jahr ist keine Berufsausbildung. Für Kinder, die ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren, ist kein Ausbildungsfreibetrag zu gewähren.