FAQ

FAQ – Häufige Fragen zum Thema Außergewöhnliche Belastungen

Außergewöhnliche Belastungen sind ein spezielles Steuerthema, das viele Fragen aufwirft. Die wichtigsten werden in diesem Außergewöhnlichen Belastungen FAQ beantwortet. Einige Dinge müssen Sie bei diesem Thema nämlich unbedingt beachten.

Außergewöhnliche Belastungen FAQ

1. Was sind außergewöhnliche Belastungen? Welche Beispiele gibt es?
2. Welche Voraussetzungen müssen für den Abzug von außergewöhnlichen Belastungen erfüllt sein?
3. Was sind Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen?
4. Wie werden außergewöhnliche Belastungen berechnet?
5. Wie hoch müssen außergewöhnliche Belastungen sein?
6. Gibt es Pauschbeträge bei den außergewöhnlichen Belastungen?
7. Was ist die zumutbare Belastung und wie wird sie berechnet?
8. Wie wirken sich außergewöhnliche Belastungen steuerlich aus?
9. Welche außergewöhnlichen Belastungen sind steuerlich absetzbar?
10. Wo werden außergewöhnliche Belastungen eingetragen?
11. Müssen außergewöhnliche Belastungen nachgewiesen werden?
12. Macht es Sinn, möglichst viele außergewöhnliche Belastungen in einem Jahr geltend zu machen?


1. Definition und Beispiele für außergewöhnliche Belastungen:

Der Gesetzgeber definiert außergewöhnliche Belastungen so: „Erwachsen einem Steuerpflichtigen zwangsläufig größere Aufwendungen als der überwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverhältnisse, gleicher Vermögensverhältnisse und gleichen Familienstands (außergewöhnliche Belastung), so wird auf Antrag die Einkommensteuer dadurch ermäßigt, dass der Teil der Aufwendungen, der die dem Steuerpflichtigen zumutbare Belastung übersteigt, vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen wird.“ So steht es in § 33 Abs. 1 EStG.

Typische außergewöhnliche Belastungen sind beispielsweise Krankheitskosten (die über die Erstattung der Krankenkasse hinausgehen), Scheidungs- oder Beerdigungskosten. Aber auch Kosten infolge einer Behinderung, Unterhaltsaufwendungen oder Kosten für die Ausbildung des Kindes sind unter Umständen außergewöhnliche Belastungen und somit steuerlich absetzbar.

Allgemeiner Überblick über das Thema außergewöhnliche Belastungen


2. Voraussetzungen für außergewöhnliche Belastungen:

Um Kosten als außergewöhnliche Belastungen absetzen zu können, müssen sie zwangsläufig sein. Zwangsläufigkeit besteht, wenn man sich den Aufwendungen aus rechtlichen, tatsächlichen oder sittlichen Gründen nicht entziehen kann. Außerdem müssen die Aufwendungen „den Umständen“ entsprechend notwendig sein und dürfen ebenfalls einen angemessenen Betrag nicht übersteigen. Die Kosten dürfen zudem nicht zu den Betriebsausgaben, Werbungskosten oder Sonderausgaben gehören.

Weitere Informationen zu den Voraussetzungen von außergewöhnlichen Belastungen


3. Unterscheidung von Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen:

Sowohl Sonderausgaben als auch außergewöhnliche Belastungen wirken sich positiv auf Ihre Steuerlast aus. Trotzdem sind es verschiedene Steuerthemen mit abweichenden Voraussetzungen, Berechnungsweisen und Abzugsmöglichkeiten. Sonderausgaben gehören zu den privaten Ausgaben, die ausnahmsweise abgezogen werden dürfen, wie z.B. Versicherungsbeiträge, die der Vorsorge dienlich sind. Außergewöhnliche Belastungen hingegen sind Kosten, die einer Minderheit entstehen und die zu einer Gefährdung der Existenzgrundlage führen können. Aufgrund des Sozialstaatprinzips schützt der Fiskus vor zu hohen Belastungen mit solchen Aufwendungen.

Alle Unterschiede zwischen Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen


4. Berechnungsweise von außergewöhnlichen Belastungen:

Vom Gesamtbetrag Ihrer außergewöhnlichen Belastungen werden zunächst alle Ersatzleistungen abgezogen, z.B. aus Versicherungen, einem Nachlass oder einer Beihilfe des Arbeitgebers. Das Ergebnis entspricht Ihrer Eigenbelastung. Von dieser wird im nächsten Schritt Ihre zumutbare Eigenbelastung subtrahiert, die abhängig ist von Familienstand, Einkommen und Kinderanzahl. Der verbleibende Betrag sind Ihre abzugsfähigen außergewöhnlichen Belastungen.

Berechnungsschema außergewöhnliche Belastungen


5. Mindesthöhe für den Abzug von außergewöhnlichen Belastungen:

Es gibt keine definierte Mindesthöhe, die Sie in einem Jahr an außergewöhnlichen Belastungen aufbringen müssen, damit sie sich steuerlich auswirken. Allerdings müssen Sie bei den sogenannten allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen nach § 33 EStG einen Teil der Ausgaben selbst tragen, von dem der Staat meint, dass er für Sie zumutbar ist. Ihre persönliche Leistungsfähigkeit wird dabei berücksichtigt.

Zumutbare Belastungsgrenze überschreiten


6. Pauschbeträge für außergewöhnliche Belastungen:

Für gewisse außergewöhnliche Belastungen gibt es Pauschbeträge, die Sie unbeschränkt absetzen können. Dies betrifft den Ausbildungs-, Behinderten-, Pflege- und Hinterbliebenenpauschbetrag, die zu den außergewöhnlichen Belastungen in besonderen Fällen nach § 33a und § 33b EStG gehören. Wenn Sie die entsprechenden Voraussetzungen der Pauschbeträge erfüllen, können Sie diese ohne Nachweis tatsächlicher Kosten jedes Jahr absetzen, auch wenn die Voraussetzungen z.B. nicht das ganze Jahr vorgelegen haben. Eine zumutbare Belastung gibt es in diesen Fällen nicht.

Unterhalt / Ausbildung / Behinderte, Hinterbliebene, Pflegepersonen


7. Zumutbare Eigenbelastung bei außergewöhnlichen Belastungen:

Die zumutbare Belastung ist der Betrag, den Sie von Ihren außergewöhnlichen Belastungen selbst tragen müssen. Er wird von der Finanzverwaltung berechnet und ist abhängig von Ihrem Familienstand, Ihrem Einkommen und der Anzahl Ihrer Kinder. Die zumutbare Belastungsgrenze ist ein Prozentsatz zwischen ein und sieben Prozent vom Gesamtbetrag Ihrer Einkünfte. Somit wird Ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit beachtet. Selbst nachlesen können Sie Ihre zumutbare Belastung in § 33 Abs. 3 EStG.

Alles über die zumutbare Belastung


8. Steuerliche Wirksamkeit von außergewöhnlichen Belastungen:

Außergewöhnliche Belastungen, die die diversen Voraussetzungen erfüllen, können Sie vom Gesamtbetrag Ihrer Einkünfte abziehen. Somit wird nur das verbleibende Einkommen versteuert, wodurch sich Ihr Steuersatz und gleichzeitig auch Ihre Steuerbelastung verringert.

Die Voraussetzungen von außergewöhnlichen Belastungen


9. Die Arten von außergewöhnlichen Belastungen:

Außergewöhnliche Belastungen werden in 2 Gruppen unterteilt: in die außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner und besonderer Art. Unter die allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen fallen Ausgaben wie Krankheitskosten, Kurbehandlungen, Bestattungsaufwendungen, Fahrtkosten Behinderter, Kosten einer Geburt usw. Diese können nur abgezogen werden, wenn sie Ihre zumutbare Belastung übersteigen. Außergewöhnliche Belastungen besonderer Art sind Unterhaltsaufwendungen, der Ausbildungsfreibetrag sowie Freibeträge für Behinderte, Hinterbliebene und Pflegepersonen. Die zumutbare Belastung spielt bei Ihnen keine Rolle, bei den Unterhaltsaufwendungen aber z.B. die Einkünfte und Bezüge der unterhaltsempfangenden Person.

Verschiedene Arten von außergewöhnlichen Belastungen


10. Beantragung von außergewöhnlichen Belastungen:

Außergewöhnliche Belastungen werden im Mantelbogen auf Seite 3 ganz oben eingetragen und somit „beantragt“. Werden alle notwendigen Voraussetzungen erfüllt, erfolgt der Abzug Ihrer angegebenen außergewöhnlichen Belastungen. Eine Anlage im Steuerformular für außergewöhnliche Belastungen gibt es nicht. Unter Umständen müssen aber ergänzende Anlagen ausgefüllt werden, so etwa die Anlage Kind, wenn Sie einen Ausbildungsfreibetrag beantragen möchten.

Beantragung & Nachweis von außergewöhnlichen Belastungen


11. Nachweis von außergewöhnlichen Belastungen:

Allgemeine außergewöhnliche Belastungen müssen nachgewiesen werden, die Art des Nachweises unterscheidet sich nach der Art der außergewöhnlichen Belastung. Bei den außergewöhnlichen Belastungen besonderer Art ist kein Einzelnachweis notwendig, entscheidend ist nur, dass Ihnen tatsächlich Aufwendungen entstanden sind.

Beantragung & Nachweis außergewöhnlicher Belastungen


12. Ansammlung von außergewöhnlichen Belastungen in einem Jahr:

Es macht auf jeden Fall Sinn möglichst viele außergewöhnliche Belastungen in einem Jahr „anzusammeln“. Denn erst, sobald die Summe der außergewöhnlichen Belastungen Ihre vom Einkommen abhängige zumutbare Eigenbelastung übersteigt, können die darüber hinausgehenden außergewöhnlichen Kosten steuermindernd geltend gemacht werden.

Zumutbare Eigenbelastung überschreiten