Krankheitskosten

Krankheitskosten von der Steuer absetzen

Wer im letzten Jahr krank war und nicht alle Ausgaben von der Krankenkasse erstattet bekommen hat, kann diese bei der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung angeben. Nachdem die eigene zumutbare Belastung abgezogen worden ist, kann der restliche Betrag vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen werden. Dies mindert die Steuerlast und spart somit Steuern.

Wichtig zu wissen ist, dass das Finanzamt nur Kosten anerkennt, die unmittelbar mit der Heilung einer Erkrankung oder der Linderung deren Folgen zusammenhängen. Reine prophylaktische Maßnahmen werden nicht anerkannt. Das sind z.B. Nahrungsergänzungsmittel, Diäten oder eine selbst bezahlte professionelle Zahnreinigung. „Hilfsmittel im weiteren Sinne“ unterscheiden sich von „Hilfsmittel im engeren Sinne“ (z.B. ein Hörgerät) dadurch, dass sie ebenfalls der Vorsorge dienen (z.B. ein Spezialbett). Diese können Sie aber trotzdem absetzen, wenn Sie dafür ein Attest vom Amtsarzt oder des Medizinischen Dienstes vorweisen können.

Ebenso werden alle Erstattungen von dritter Stelle zunächst abgezogen, egal ob es sich um eine von Ihrer Krankenkasse, um Schadensersatz oder andere Beihilfen handelt. Ähnliches gilt für Leistungen aus der Krankenhaustagegeldversicherung. Diese sind bis zur Höhe der Krankenhauskosten zu berücksichtigen. Krankentagegelder sollen hingegen Ihnen entgangene Einnahmen durch Ausfall wegen einer Krankheit ausgleichen und werden daher nicht bei den Krankheitskosten berücksichtigt.

Typische Krankheitskosten sind z.B.:

  • Arzt, Zahnarzt und Heilpraktiker
  • ärztlich verordnete Arzneimittel (auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente, wenn durch Arzt verordnet)
  • Zahnersatz
  • Impfungen
  • Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten
  • Brillen und Kontaktlinsen
  • Hörgeräte und Gehhilfen
  • Krankenhausaufenthalte
  • Heilbäder, Krankengymnastik usw.
  • Pflegeleistungen
  • Heilpraktiker und Homöopath
  • Kuren

Tipp

Sammeln Sie am besten alle Quittungen und Rechnungen während eines Jahres, egal ob von der Apotheke, dem Optiker oder dem Orthopäden. Auch die dazugehörigen Fahrten zum Arzt sollten Sie notieren – denn sie sind bares Geld wert. Rechnen Sie am Ende des Jahres Ihre zumutbare Belastung aus und schauen Sie, ob Ihre Ausgaben diese übersteigen. Auch alle anderen außergewöhnlichen Belastungen werden bei der Berechnung dieser Grenze mit einbezogen.

Nicht alle Krankheitskosten können Sie als außergewöhnliche Belastungen absetzen. Wenn eine Krankheit beispielsweise auf einer typischen Berufskrankheit beruht, dann sind dies Werbungskosten oder Betriebsausgaben. Dasselbe gilt für Arbeitsunfälle. Der Vorteil liegt hier darin, dass Sie keine zumutbare Belastungsgrenze überschreiten müssen und Ihre Kosten voll absetzen können.


Was ist, wenn mein Kind krank war?

Wenn nicht Sie selbst, sondern Ihr Kind erkrankt ist, können Sie dadurch ebenfalls Steuern sparen. Allgemeine Krankheitskosten können Sie bei Ihrer Steuererklärung für Ihr Kind genauso angeben, als wenn Sie durch Sie selbst verursacht worden wären. Sie müssen für Ihr Kind Anspruch auf Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag haben.

Das Finanzamt erkennt aber auch Aufwendungen für die Begleitung eines kranken Kindes an, wenn Sie die medizinische Notwendigkeit dafür nachweisen können. Dabei muss das Finanzamt sogar Zwischenheimfahrten anerkennen, wenn es nicht zumutbar ist, die Behandlung abzuwarten.

Auch Kosten für einen zwangsläufigen Schulbesuch aufgrund einer Erkrankung oder Behinderung Ihres Kindes können Sie absetzen.


Wann sind Kosten für alternative Heilmethoden absetzbar?

Alternative Heilmethoden sind Behandlungen, die wissenschaftlich (noch) nicht anerkannt sind. Das sind beispielsweise Delphintherapien, Ayurvedamethoden oder auch eine Frischzellenbehandlung.
Aufwendungen für solche alternativen Heilmethoden können Sie ebenfalls als Krankheitskosten geltend machen – unter folgender Bedingung: Die medizinische Notwendigkeit der Behandlung muss nachgewiesen werden durch ein amtsärztliches Attest oder eine Bescheinigung des Medizinischen Dienstes; dieses Attest muss vor Beginn der Behandlung eingeholt werden.


Keine außergewöhnliche Belastung in folgenden Fällen

Nach einem Beschluss des FG Rheinland-Pfalz aus dem Jahr 2012 heißt es: „Krankheitskosten sind bei der Einkommensteuer nicht abzugsfähig, wenn sie zur Wahrung eines Beitragrückerstattungsanspruchs nicht bei der Krankenversicherung geltend gemacht worden sind.“ Wenn Sie es also versäumt haben einen Erstattungsanspruch von Ihrer Krankenkasse geltend zu machen, bleiben Sie komplett auf den Kosten sitzen. Es ist egal, ob es sich dabei um eine private oder gesetzliche Krankenkasse handelt.


Fahrtkosten zum Arzt oder zur Therapie

Auch die Kosten, die Ihnen durch die Fahrt zu einer ärztlichen oder therapeutischen Behandlung entstehen, können Sie absetzen. Dafür geben Sie entweder Ihre tatsächlichen Kosten an (z.B. für öffentliche Verkehrsmittel oder Taxen) oder pauschal 0,30€ pro gefahrenen Kilometer, wenn Sie mit Ihrem eigenen Pkw unterwegs waren.


Besuchsfahrten

Auch Besuchsfahrten zu einem kranken Familienmitglied sind unter Umständen für Sie steuerlich relevant. Voraussetzung dafür ist, dass der Besuch notwendig ist für die körperliche oder geistige Genesung des Patienten. Lassen Sie sich dies am besten vom behandelnden Arzt bescheinigen. Meistens stellt das allerdings kein Problem dar.
Absetzbar sind hierbei die tatsächlichen Fahrtkosten bzw. bei Fahrten mit dem eigenen Fahrzeug pro Kilometer pauschal 0,30€. Bei sehr schweren Erkrankungen oder bei großen Entfernungen zum Heimatort sind auch Übernachtungskosten absetzbar.


Krankheitskosten nachweisen

Die medizinische Notwendigkeit Ihrer Aufwendungen für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel müssen Sie durch ein Attest nachweisen. Es gibt 3 verschiedene Möglichkeiten des Nachweises.
(Achtung: der Nachweis muss vor Beginn der Heilmaßnahme oder dem Erwerb des Hilfsmittels eingeholt werden):

  • Für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel ist die Verordnung eines Arztes oder Heilpraktikers erforderlich (auch bei nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten).
  • Ein amtsärztliches Gutachten oder eine ärztliche Bescheinigung des medizinischen Dienstes der Krankenversicherung ist notwendig bei Bade- und Heilkuren. Bei einer Klimakur müssen zusätzlich der medizinische Kurort und die voraussichtliche Kurdauer bescheinigt werden. Ein entsprechender Nachweis wird ebenso erfordert bei psychotherapeutischer Behandlung, bei medizinisch erforderlicher auswärtiger Unterbringung eines behinderten Kindes, bei wissenschaftlich nicht anerkannten Behandlungsmethoden (z.B. Sauerstoff- oder Delphintherapie), für die Notwendigkeit der Betreuung durch eine Begleitperson (wenn nicht durch Behindertenausweis nachgewiesen) und für medizinische Hilfsmittel, die als Gegenstände des täglichen Lebens anzusehen sind.
  • Der Nachweis der Notwendigkeit von Besuchsfahrten zur Heilung oder Linderung einer Krankheit bei Ehegatten oder Kindern ist durch eine Bescheinigung des behandelnden Krankenhausarztes zu führen.

Bei einer chronischen Erkrankung reicht die einmalige Vorlage einer ärztlichen Verordnung für bestimmte Arznei-, Heil- und Hilfsmittel aus.

Dasselbe gilt auch für Brillen und Kontaktlinsen. Wenn einmal von einem Augenarzt die Notwendigkeit für eine Sehhilfe festgestellt wurde, reicht in den Folgejahren die Sehschärfenbestimmung durch einen Optiker aus, um die Kosten für eine neue Brille anzusetzen.

Beachte

Ob man eine zumutbare Belastung auch bei Krankheits- und Pflegekosten absetzen muss, wird derzeit vom BFH geprüft. Tragen Sie deshalb Ihre Krankheitskosten in voller Höhe in Ihre Steuererklärung ein. Da der Steuerbescheid in diesem Punkt vorläufig ergeht, kann dieser nach der Entscheidung noch korrigiert werden. Ein Einspruch ist daher nicht notwendig.


Checkliste zu Krankheitskosten

Mit unserer Checkliste können Sie noch einmal in aller Ruhe nachlesen, welche Krankheitskosten Sie bei Ihrer Steuererklärung ansetzen können. Dabei wird zusätzlich noch auf weitere als hier im Text erwähnte Kosten eingegangen. Jeder Punkt wird verständlich kommentiert, damit Sie immer wissen, auf was bei den verschiedenen Aufwendungen zu achten ist.