Voraussetzungen Ausbildungsfreibetrag

Voraussetzungen des Ausbildungsfreibetrags

Kinder machen viel Spass, kosten aber auch viel Geld. Dies ist wohl ein geläufiger Spruch, der meistens auch der Wahrheit entspricht. Und tatsächlich ist auch die Ausbildung des Kindes nicht immer ganz billig. Unter bestimmten Voraussetzungen beteiligt sich der Staat jedoch an diesen Kosten als außergewöhnliche Belastungen.

Voraussetzungen Ausbildungsfreibetrag außergewöhnliche Belastungen

Es wird beim Ausbildungsfreibetrag zwischen allgemeinen Voraussetzungen des § 33 EStG und speziellen Voraussetzungen des § 33a Abs. 2 EStG unterschieden.

Zu den allgemeinen Bedingungen gehören:

Zu den speziellen Vorgaben gehören:

  • tatsächliche Aufwendungen für die Berufsausbildung des Kindes (Höhe der Aufwendungen muss nicht nachgewiesen werden)
  • das Kind muss volljährig,
  • auswärtig untergebracht und
  • sich in Berufsausbildung befinden
  • für das Kind muss ein Kinderfreibetrag oder Kindergeld gewährt werden
  • Antrag des Steuerpflichtigen (innerhalb seiner Steuererklärung) erforderlich

Aufwendungen des Steuerpflichtigen

Um den Ausbildungsfreibetrag als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen zu können, bedarf es auch tatsächlichen Aufwendungen dafür. Dies können z.B. Aufwendungen für Lernmittel, Studiengebühren, Fahrtkosten oder Kosten der auswärtigen Unterbringung sein.

Im Gegensatz zu der Steuerermäßigung für Unterhaltsleistungen nach § 33a Abs. 1 EStG ist die Gewährung des Ausbildungsfreibetrags nicht an den Einzelnachweis der Aufwendungen für die Berufsausbildung des Kindes gebunden. Der Freibetrag kann immer pro Jahr und pro Kind abgezogen werden.

Auch die Höhe des Vermögens des Kindes spielt keine Rolle.


Volljährigkeit des Kindes

Das Kind muss das 18. Lebensjahr erreicht haben, damit der Ausbildungsfreibetrag geltend gemacht werden kann.

Wird das Kind innerhalb eines Kalenderjahres 18 Jahre, wird in diesem Jahr der Freibetrag nur anteilig nach Vollendung des 18. Lebensjahres gewährt.


Auswärtige Unterbringung

Das Kind muss während der Berufsausbildung auswärtig untergebracht sein, d.h. außerhalb der elterlichen Wohnung (räumlich und hauswirtschaftlich vom Haushalt der Eltern getrennt). Dies muss für die Dauer der gesamten Ausbildung oder auch nur eines Ausbildungsabschnittes der Fall sein.

Eine auswärtige Unterbringung ist z.B. eine Unterbringung im Internat, einer Ganztagspflegestelle oder in einer „Studentenbude“.

Besucht Sie Ihr Kind während der Ferien, verlieren Sie nicht den Anspruch auf den Ausbildungsfreibetrag.

Ist die auswärtige Unterbringung aufgrund einer Krankheit zur Linderung oder Heilung nachweislich notwendig (z.B. wegen Asthma) und können Sie die Unterbringungskosten als allgemeine außergewöhnliche Belastungen geltend machen, besteht kein zusätzlicher Anspruch auf den Ausbildungsfreibetrag. Dadurch soll eine doppelte Steuerermäßigung vermieden werden.


Berufsausbildung des Kindes

Eine Berufsausbildung ist die Ausbildung für einen künftigen Beruf. Hierzu gehören z.B. allgemeinbildende und berufliche Schulen, Hochschulen und Fachhochschulen, Lehrzeit, Heimsonderschulen und Behindertenschulen. Die Berufsausbildung darf sowohl im In- als auch im Ausland stattfinden.

Auch die Promotion im Anschluss an ein Studium sowie ein Referendariat, der Besuch einer Meisterschule, ein Sprachaufenthalt im Ausland oder ein Praktikum zählen zur Berufsausbildung. Zudem gilt ein Auslandsaufenthalt als Au-Pair als Berufsausbildung, wenn der dazugehörige Sprachunterricht mindestens zehn Wochenstunden umfasst.

Der tägliche ein- bis zweistündige Besuch von Tages- oder Abendkursen wird nicht als Berufsausbildung anerkannt.

Ein freiwilliges soziales Jahr ist ebenfalls keine Berufsausbildung. Für Kinder, die ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren, ist kein Ausbildungsfreibetrag zu gewähren. Außerdem werden „Work and Travel“-Programme üblicherweise nicht berücksichtigt.

Beträgt die Ferienzeit zwischen zwei Ausbildungsabschnitten nicht mehr als 4 Monate, gehört diese Zeit zur Berufsausbildung.


Gewährung von Kindergeld oder eines Kinderfreibetrags

Der Steuerpflichtige muss für das Kind Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag nach § 32 Abs. 6 EStG erhalten. Kindergeld wird grundsätzlich bis zum 18. Lebensjahr, für Kinder in Ausbildung bis zum 25. Lebensjahr gewährt. Verlängerungen sind möglich bei Ableistung eines Wehr-/Zivildienstes oder bei einer Tätigkeit als Entwicklungshelfer.


Antrag des Steuerpflichtigen

Der Steuerpflichtige muss den Ausbildungsfreibetrag in der Einkommensteuererklärung in der Anlage Kind beantragen.

Der BFH hat die formellen Anforderungen zum Vorteil des Steuerpflichtigen aber ziemlich gelockert. Hat der Steuerpflichtige im Formular für die Einkommensteuererklärung in der „Anlage Kinder“ die Geburtsdaten, das erhaltene Kindergeld, die Zeiten der Berufsausbildung und die Bruttoarbeitslöhne der Kinder angegeben, hat er damit konkludent Ausbildungsfreibeträge für die Kinder beantragt, auch wenn er die Rubrik „Ausbildungsfreibetrag“ nicht ausgefüllt hat. Übergeht das Finanzamt derartige Anträge, ohne darauf im Einkommensteuerbescheid hinzuweisen, kann wegen der versäumten Einspruchsfrist Wiedereinsetzung in den vorigen Stand in Betracht kommen.


Bei Nichtvorliegen der Voraussetzungen

Liegen die Voraussetzungen für die steuerliche Anerkennung als Kind nicht vor, können die Aufwendungen für die Ausbildung des Kindes als allgemeine Unterhaltsleistungen nach § 33a Abs. 1 EStG geltend gemacht werden.

Keine Voraussetzung für den Ausbildungsfreibetrag ist die Anrechnung eigener Einkünfte und Bezüge des Kindes. Diese werden seit 2012 nicht mehr berücksichtigt.

Der Ausbildungsfreibetrag wird nicht ganzjährig gewährt, sondern monatlich. Für jeden vollen Kalendermonat, in dem die Voraussetzungen für den Freibetrag nicht erfüllt sind, vermindert sich dieser um je 1/12.