Unterschied Werbungskosten Außergewöhnliche Belastungen

Unterscheidung Werbungskosten und Außergewöhnliche Belastungen

Im Normalfall lässt der Gesetzgeber Sie in Ihrer Steuererklärung nur Ausgaben geltend machen, die im Zusammenhang mit der Erwirtschaftung von Einnahmen stehen. Dies sind dann Werbungskosten (z.B. Fahrtkosten zur Arbeit) oder Betriebsausgaben (z.B. betriebliche Versicherungen). Aus bestimmten Gründen – etwa aus sozialen, steuerlichen oder wirtschaftspolitischen – nimmt der Fiskus jedoch definierte Aufwendungen von diesem allgemeinen Abzugsverbot aus.

Doch wo liegt hier die Unterscheidung? Welche Beträge darf ich als Werbungskosten abziehen und welche als außergewöhnliche Belastungen?

Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen (§ 9 Abs. 1 S. 1 EStG). Der Geltungsbereich der Werbungskosten umfasst nur die Überschusseinkünfte (= Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben). Da die Einkünfte jeder Einkunftsart getrennt zu ermitteln sind, müssen die Werbungskosten jeweils bei der Einkunftsart abgezogen werden, bei der sie angefallen sind.

Beispiele für Werbungskosten

§ 9 enthält lediglich eine beispielhafte Aufzählung von Werbungskosten, die in der Praxis häufig vorkommen. Diese Aufzählung ist nicht erschöpfend. Insofern können alle Aufwendungen, die die Voraussetzungen des § 9 Abs. 1 S. 1 EStG erfüllen, als Werbungskosten abgezogen werden.

Typische Werbungskosten sind:
Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit

  • Entfernungspauschale ab dem 1. Kilometer
  • Beiträge zu Berufsständen und Berufsverbänden (z.B. Gewerkschaft, Arbeitskammer)
  • Mehraufwendungen für doppelte Haushaltsführung
  • Aufwendungen für Arbeitsmittel (z.B. Fachliteratur, typische Berufskleidung, Werkzeuge)
  • Kontoführungsgebühren
  • Reisekosten (z.B. Fahrtkosten, Verpflegungsmehraufwendungen, Übernachtungskosten, Reisenebenkosten)
  • Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer, sofern es Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit ist oder für die Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Einkünfte aus Kapitalvermögen

  • Ab dem 01.01.2009 ist der Abzug der tatsächlichen Werbungskosten (z.B. Depotgebühren, Aufwendungen für den Besuch einer Hauptversammlung) bei den Einkünften aus Kapitalvermögen ausgeschlossen. Als Werbungskosten ist nur noch ein Sparerpauschbetrag von 801€ pro Person abziehbar.

Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung

  • Schuldzinsen, weitere Finanzierungskosten (Damnum)
  • Erhaltungsaufwendungen (z.B. Reparaturen)
  • Grundsteuer
  • Straßenreinigung, Müllabfuhr, Schornsteinfeger
  • Beiträge zu Hausversicherungen (z.B. Haftpflicht)
  • Absetzung für Abnutzung (AfA)

Sonstige Einkünfte

  • Honorar für Rentenberatung
  • Prozesskosten

Werbungskostenpauschbeträge

Werbungskostenpauschbeträge dienen der Verwaltungsvereinfachung. Sie kommen stets dann zum Ansatz, wenn die tatsächlichen Werbungskosten eines Steuerpflichtigen niedriger sind als die Pauschbeträge oder wenn der Steuerpflichtige die tatsächlichen Werbungskosten nicht nachweisen kann.

Nach § 9a S. 1 EStG sind Werbungskostenpauschbeträge für folgende Einkunftsarten vorgesehen:

EinkunftsartPauschbeträge
Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit

  • Arbeitnehmerpauschbetrag
  • Pauschbetrag für Versorgungsbezüge
  • 1.000€

    102€

    Einkünfte aus Kapitalvermögen

  • Einzelveranlagung
  • Zusammenveranlagung
  • 0€

    0€

    sonstige Einkünfte102€

    Regeln zu den Werbungskostenpauschbeträgen

    1. Der Ansatz der Werbungskostenpauschbeträge darf niemals zu negativen Einkünften führen.
    2. Die Pauschbeträge werden stets in vollen Jahresbeträgen gewährt (keine zeitanteilige Kürzung).
    3. Die Pauschbeträge sind grundsätzlich nur bei unbeschränkter Steuerpflicht anwendbar.
    4. Bezieht ein Steuerpflichtiger mehrere Einnahmen aus einer Einkunftsart, erhält er den Pauschbetrag für diese Einkunftsart nur einmal.

    Werbungskosten fallen also bei der Erzielung von Einnahmen an und stehen im direkten Zusammenhang mit ihnen. Zum Beispiel sind Fahrtkosten nötig, um überhaupt Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit zu erzielen.

    Bei Außergewöhnlichen Belastungen hingegen geht es um den Schutz der persönlichen Existenz in außergewöhnlichen Lebenssituationen. Es sind zwangsläufig größere Aufwendungen eines Steuerpflichtigen im Vergleich zur überwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommens-, Vermögens- und Familienverhältnisse. Zwangsläufigkeit ist gegeben, wenn der Steuerpflichtige sich den Aufwendungen aus rechtlichen, tatsächlichen oder sittlichen Gründen nicht entziehen kann und soweit sie den Umständen nach notwendig und angemessen sind.

    Außergewöhnliche Belastungen entstehen also im Gegensatz zu Werbungskosten nur einer Minderheit. Sie dürfen keine Werbungskosten, Betriebsausgaben oder Sonderausgaben sein.

    Typische Fälle für außergewöhnliche Belastungen sind etwa die – oft sehr hohen – Kosten für Pflegebedürftigkeit, Krankheit, Behinderung, Tod eines nahen Angehörigen, in der Ausbildung befindliche Kinder oder die Scheidung vom Ehepartner. Dass der Staat hier den betroffenen Steuerzahler schützen muss, ergibt sich aus dem in der Verfassung niedergelegten Sozialstaatsprinzip.


    Berücksichtigung von Werbungskosten und außergewöhnlichen Belastungen

    Werbungskosten ziehen Sie direkt von Ihren erzielten Einnahmen ab. Das Endergebnis sind schließlich Ihre Einkünfte. Mit Werbungskosten können Sie also beeinflussen wie hoch Ihre zu versteuernden Einkünfte überhaupt sind. Es macht Sinn so viele Ausgaben wie möglich zu sammeln und anzugeben. Bei einem normalen Angestelltenverhältnis kommt leicht viel zusammen, so z.B. Fahrtkosten, Kontoführungsgebühren, Arbeitsmittel, Reisekosten, Berufsverbände usw. Desto niedriger Ihre Einkünfte letztendlich sind, desto weniger Steuern können überhaupt anfallen.

    Doch Ihre Einkünfte müssen Sie noch nicht direkt versteuern. Nach Abzug eines eventuell anfallenden Altersentlastungsbetrag, Entlastungsbetrag für Alleinerziehende oder einem Freibetrag für Land- und Forstwirte können Sie noch Sonderausgaben und Außergewöhnliche Belastungen abziehen, sowie einen Verlustabzug geltend machen. Die zulässigen außergewöhnlichen Belastungen können bei der Ermittlung des Einkommens direkt vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen werden. Hieraus ergibt sich das steuerlich relevante Einkommen. Nach einem weiteren Abzug von Kinderfreibeträgen und einem möglichen Härteausgleich folgt das final zu versteuernde Einkommen.

    Wie Sie sehen, gibt es vielfältige Möglichkeiten effektiv Steuern zu sparen, der Unterschied liegt nur darin, an welcher Stelle Sie gewisse Ausgaben und Freibeträge absetzen können. Ein weiterer Unterschied der Werbungskosten gegenüber den außergewöhnlichen Belastungen liegt darin, dass Sie diese direkt ab dem ersten € absetzen können und keine zumutbare Belastungsgrenze überschreiten müssen.