Zumutbare Belastung

Die zumutbare Belastung ist Ihr Eigenanteil

Von Ihren gesamten außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art müssen Sie eine zumutbare Belastung abziehen. Erst die übersteigenden Kosten können Sie bei Ihrer Steuererklärung geltend machen. Diese Belastungsgrenze wird vom Finanzamt automatisch abgezogen.

Zumutbare Belastung bei außergewöhnlichen Belastungen

Ist die Summe der außergewöhnlichen Belastungen höher als die zumutbare Belastung, wird nur der übersteigende Betrag steuermindernd berücksichtigt. Den unterschreitenden Anteil müssen Sie selber tragen, ohne steuerliche Entlastung durch den Staat. Mit dem Abzug der zumutbaren Belastung soll die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Steuerpflichtigen berücksichtigt werden.


Die Höhe der zumutbaren Belastung

Die Höhe der zumutbaren Belastung ist abhängig von Ihrem Familienstand, der Anzahl Ihrer Kinder (für die Sie Anspruch auf Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag haben) sowie dem Gesamtbetrag Ihrer Einkünfte. Sie ist gesetzlich festgelegt.

Die Belastungsgrenze ist immer ein gewisser Prozentsatz von Ihren gesamten Einkünften. Er beträgt zwischen 1 und 7% und steigt mit der Höhe Ihrer Einkünfte.

Bei kinderlosen ledigen Personen ist die zumutbare Belastung immer etwas höher als bei kinderlosen Ehepaaren. Paare mit Kinder jedoch (egal, ob verheiratet oder nicht) haben stets den gleichen Prozentsatz für die zumutbare Belastung. Unterschieden wird jedoch, ob Sie 1-2 Kinder oder 3+ Kinder haben. Ab drei Kindern hat man logischerweise die kleinste zumutbare Belastung zu tragen und kann die höchsten Beträge als außergewöhnliche Belastungen absetzen.

Anhand dieser Tabelle können Sie ungefähr Ihre zumutbare Eigenbelastung berechnen (§ 33 Abs. 3 EStG):

Gesamtbetrag der Einkünftebis 15.340,00 €über 15.340 € bis 51.130 €über 51.130 €
1.    bei Steuerzahlern ohne Kinder
            a) Grundtarif5 %6 %7 %
            b) Splittingtarif4 %5 %6 %
2.    bei Steuerzahlern mit
            a) einem Kind oder zwei Kindern2 %3 %4 %
            b) drei oder mehr Kindern1 %1 %2 %

Beispiel: Ein Ehepaar mit zwei Kindern hat der Tabelle zufolgend eine Belastungsgrenze von 3%. Die Einkünfte des Ehepaares betragen in 2016 insgesamt 50.000€. Die zumutbare Belastung beträgt also 1.500€ (3% von 50.000€). Hat das Ehepaar in 2016 nun außergewöhnliche Belastungen (z.B. Krankheitskosten) in Höhe von 2.500€ werden nur 1.000€ steuerlich berücksichtigt. Die anderen 1.500€ muss das Ehepaar alleine tragen.
Zum Vergleich: Bei einem alleinstehenden Steuerpflichtigen ohne Kinder, der ebenfalls Einkünfte von insgesamt 50.000€ erzielt, beträgt die zumutbare Belastung 6%, also 3.000€.

Wichtig 

Die zumutbare Belastung wird nur bei den allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen abgezogen. Ausgaben, die bei den besonderen außergewöhnlichen Belastungen angesetzt werden, bleiben ungekürzt.

Die Höhe Ihrer zumutbaren Belastung müssen Sie also kennen, um einschätzen zu können, ob Sie diese in einem Jahr übersteigen werden und somit Ihre Kosten steuerwirksam geltend machen können oder nicht. Benötigte Belege sollten Sie daher nicht leichtfertig entsorgen, um die Überprüfung am Ende des Jahres durchführen zu können.

Tipp 

Kontrollieren Sie, ob Ihre außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art auch die Abzugsvoraussetzungen von Haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnissen, Dienstleistungen oder Handwerkerleistungen nach 35a EStG erfüllen. Wenn das der Fall ist, können Sie bis zur Höhe der zumutbaren Belastung zusätzlich noch diese Steuerabzugsbeträge beantragen.

Laut einem Anwendungserlass zu dem Paragraph 35a EStG heißt es: „Für den Teil der Aufwendungen, der durch den Ansatz der zumutbaren Belastung nach § 33 Absatz 3 EStG oder wegen der Gegenrechnung von Pflegegeld oder Pflegetagegeld nicht als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt wird, kann der Steuerpflichtige die Steuerermäßigung nach § 35a EStG in Anspruch nehmen. Werden im Rahmen des § 33 EStG Aufwendungen geltend gemacht, die dem Grunde nach sowohl bei § 33 EStG als auch bei § 35a EStG berücksichtigt werden können, ist davon auszugehen, dass die zumutbare Belastung vorrangig auf die nach § 35a EStG begünstigten Aufwendungen entfällt.“


Berechnung der zumutbaren Belastung

Die Bemessungsgrundlage der zumutbaren Belastung ist immer der Gesamtbetrag der Einkünfte, bei Zusammenveranlagung der gemeinsame Gesamtbetrag der Einkünfte.

Wenn Sie Kinder haben, müssen Sie für diese Anspruch auf Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag haben. Auch ein halber Freibetrag ist ausreichend (das ist der Fall bei nicht verheirateten, dauernd getrennt lebenden oder geschiedenen Eltern). Im Übrigen reicht es auch, wenn der Anspruch nur während einem Monat des Kalenderjahres bestand. Bei wesentlichen Änderungen innerhalb eines Jahres (z.B. Sie verlieren für ein Kind den Anspruch auf Kinderfreibetrag aufgrund der Überschreitung der Altersgrenze) gilt immer der günstigere Prozentsatz während dieses Jahres.

Nach dem Grundtarif werden Sie übrigens versteuert, wenn Sie alleinstehend sind oder die Einzelveranlagung (es wird der individuelle Gesamtbetrag der Einkünfte jedes Partners berücksichtigt) gewählt haben. Eine Versteuerung nach dem Splittingtarif kommt hingegen in Frage, wenn Sie verheiratet sind und die Zusammenveranlagung gewählt haben.

Falls Sie verheiratet sind und sich im Laufe eines Jahres trennen oder im Laufe eines Jahres heiraten, wird der Splittingtarif weiterhin bzw. bereits verwendet.

Bei einer Einzelveranlagung von Ehegatten werden allgemeine außergewöhnliche Belastungen dem Ehegatten zugeordnet, der die Aufwendungen tatsächlich wirtschaftlich getragen hat. Auf übereinstimmenden Antrag können sie auch jeweils zur Hälfte abgezogen werden. Die zumutbare Belastung wird dabei individuell nach dem Gesamtbetrag jedes einzelnen Ehepartners/eingetragenen Lebenspartners berechnet.

Sie sollten vor einem solchen Antrag immer prüfen, ob es günstiger ist, wenn bei jedem Ehegatten die eigenen angefallenen außergewöhnlichen Belastungen berücksichtigt werden oder ob ein hälftiger Abzug sinnvoller ist.


Was Sie machen können, um Ihre zumutbare Belastung zu überschreiten

Erst am Ende des Jahres wissen Sie mit Sicherheit, ob Sie Ihre zumutbare Belastungsgrenze überschritten haben. Während des Jahres sollten Sie deshalb alle nötigen Belege sammeln und aufbewahren. Um Ihre Belastungsgrenze zu übersteigen ist es wichtig möglichst hohe Ausgaben in einem Jahr zu haben. Es bringt Ihnen nichts, wenn Sie jedes Jahr mittelhohe Aufwendungen haben, die nie die zumutbare Belastung überragen. Dann bleiben Sie auf allen Ihren Ausgaben sitzen und können keine Steuern sparen. Versuchen Sie also möglichst viele verschiedene Ausgaben in ein Jahr zu bringen, lassen Sie sich z.B. in einem Jahr Ihre Zähne erneuern und eine neue Brille anfertigen, anstatt dies in 2 Jahren zu erledigen.

Bei bestimmten Aufwendungen wie z.B. bei Zahnersatz haben Sie sogar einen gewissen Gestaltungsspielraum. Wenn Sie zum Beispiel wissen, dass die Kosten für den Zahnersatz von Ihrer Versicherung nicht vollständig übernommen werden, sollten Sie versuchen diese nicht über zwei oder mehrere Jahre zu strecken. Bitten Sie lieber Ihren Zahnarzt um eine vorzeitige Rechnung oder um eine Teilrechnung. So können Sie möglicherweise alle Ausgaben, die über der zumutbaren Belastung liegen noch in der Steuererklärung für das laufende Jahr geltend machen und so die zumutbare Belastungsgrenze überwinden.

Extra-Tipps 

1. Wenn Sie Zahlungen um die Jahreswende erwarten, bringen Sie diese bewusst ins alte Jahr.
2. Sie sollten vor Jahresende überprüfen, ob Ihre zumutbare Belastung um einen % nach unten sinkt, wenn Sie Ihren Gesamtbetrag der Einkünfte ein wenig erniedrigen. Dies können Sie beispielsweise durch Werbungskosten oder Betriebsausgaben erwirken.


Verfassungsmäßigkeit der zumutbaren Belastung

Der BFH hat in zwei Verfahren entschieden, dass die zumutbare Belastung verfassungsgemäß sei. Es läuft allerdings noch ein Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht. Bis jetzt ist deswegen offen, ob die zumutbare Belastung gegen das Grundgesetz verstößt oder nicht.

Tipp 

Machen Sie außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art trotzdem geltend, falls diese geringer sind als die zumutbare Belastung.

Nach allgemeiner Erfahrung streichen die Finanzämter solche Kosten nicht, da sie sich sowieso nicht auswirken. Kommt es jedoch später zu einer günstigeren Rechtsprechung, werden sie daraufhin korrigiert. Achten Sie also darauf, dass Ihr Steuerbescheid in diesem Punkt vorläufig ergeht. Falls dies nicht passiert, müssen Sie Einspruch einlegen.


Rechner für die zumutbare Belastung

Auf der Webseite der Oberfinanzdirektion Niedersachen können Sie Ihre eigene zumutbare Belastung auch ganz leicht per Eingabe in den hier zur Verfügung gestellten Rechner ermitteln.